Digitale Diät – Ein Erfahrungsbericht

Bericht von Renato Denoth

Dunkle Augenringe, gereizte Stimmung, gehetztes Aus-dem-Haus-Stürzen wenige Minuten vor Unterrichtsbeginn. Und die endlosen Diskussionen: «Dürfen wir nicht nochmals eine Viertelstunde you-tuben?» «Aber Du hast Dein Kontingent für heute doch schon verbraucht.» «Aber Mamma, heute scheint die Sonne so schön, da ist es doch besonders gemütlich vor dem Bildschirm.» Die Motivation für den Besuch der Veranstaltung «Eltern Special: Digitale Diät» der Elternvereinigung Mittelschulen Winterthur vom 24. März 2018 war gross. Wie gehen andere Eltern mit dem Spannungsfeld «Medienkonsum und gesunde Entwicklung ihrer Kinder» um? Welche Strategien gibt es für einen entspannteren Umgang mit dem Thema? Welche Best Practices helfen im Alltag?

Um die Antworten auf diese Fragen zu finden, haben wir uns zuerst mit unserem eigenen Medienkonsum auseinandergesetzt. Wir haben uns gefragt, wie viel Medienkonsum und wie viele Aktivitäten auf Social Media uns selbst gut tun und wo wir für uns die Grenzen ziehen. Die erste Erkenntnis des Vormittags: Grenzen gibt es ungefähr so viele wie Personen im Raum.

Die nächsten Fragen galten der Vorbildfunktion und den Stolpersteinen dorthin. Ein Vorbild sollte Interesse zeigen aber auch klar Stellung beziehen, den Fokus auf die wichtigen Dinge legen aber auch eine gewisse Lockerheit ausstrahlen. Nicht zuletzt sollte ein Vorbild aber auch sich selbst immer wieder reflektieren. Als Stolpersteine genannt wurden die eigene Begeisterung für die technologische Entwicklung, die eigene Bequemlichkeit, aber auch die zunehmende Schwierigkeit, zwischen beruflichen und privaten Aktivitäten zu trennen. Regeln in der Familie lassen sich schwer einhalten, wenn sich die Eltern selbst nicht daran halten.

Als Best Practices haben wir mitgenommen, dass es wichtig ist, Grenzen zu setzen, weil dies eine wichtige Rolle von uns Eltern ist. Unsere Kinder benötigen Vertrauen und Rückzugsmöglichkeiten, Alternativprogramme und gemeinsame Aktivitäten, aber auch unser Interesse an ihrer digitalen Welt, die eine Tatsache ist. Dies alles leisten wir am besten mit etwas Gelassenheit. Sie verhilft auch uns selbst zu einem entspannteren Umgang mit dem Medienkonsum unserer Kinder. Wurden nicht im 19. Jahrhundert die aufkommenden Romane als Gefahr für die Entwicklung des Nachwuchses kritisiert? Hat nicht manch ein Elternpaar Joints zu Heavy Metal konsumiert, dannzumal das Böse schlechthin? Die Parallelen zu Social Media sind augenfällig.

Der Elternvereinigung Mittelschulen Winterthur danken wir herzlich für die Organisation des Anlasses. Professionell moderiert durch «von Fischer Beratung & Entwicklung GmbH, Bern» und mit hohem Engagement der Teilnehmerinnen und Teilnehmer hat er vergessen lassen, dass vor dem Fenster die seit langem ersten Sonnenstrahlen eigentlich zu Outdoor-Aktivitäten eingeladen hätten.