„Macht die Matura auch überfachlich kompetent?“

Bericht von Michael D. Pfiffner, Co-Präsident EMW

Zugegeben, den Titel des Referates würden wir heute anders wählen. Dieser lockte zwar an jenem Mittwochabend 30 Interessierte in die Rychenberger Aula, doch so wie im Untertitel formuliert, hätten es wohl viele mehr sein können, und auch verdient.

Mit dem staubtrockenen Begriff „überfachliche Kompetenzen“ ist nämlich nichts anderes gemeint, als die Fähigkeit, mit sich selber und mit anderen Menschen umgehen, und sich sprachlich ausdrücken zu können – und diese Soft Skills sind schon etwas, was wir bei unseren Kindern gerne sehen würden. Denn wer fachlich zwar brillant ist und über die Hard Skills verfügt, es mit sich und den anderen Menschen aber nicht kann, hat trübe Aussichten.

Ob und wie Schüler und Schülerinnen ihre Soft Skills in der Mittelschule entwickeln, darüber hat Frau Prof. Dr. Katharina Maag Merki an diesem Abend kompetent, sympathisch und mittels E-Voting auch unter direktem Einbezug der Eltern berichtet (die Präsentation finden sie unten).

Kurz: Soft Skills kann man nicht direkt erlernen, sondern nur im Kontext anderer Aktivitäten, selbstverständlich auch ausserhalb der Schule. Soft und Hard Skills bedingen sich gegenseitig, ein Minimum davon benötigt also auch der absolute Hard Skills Nerd.

Neben dem Umgang mit anderen Menschen ist dabei der Umgang mit sich selber zentral. Sich selber motivieren, seine Interessen und das Lernen steuern zu können, sind solche “weiche Fähigkeiten“, die für die Entwicklung vieler anderer erst die Voraussetzung bilden.

Prof. Dr. Maag Merki hat die Relevanz überfachlicher Kompetenzen in ihrem Referat mit zahlreichen wissenschaftlichen Referenzen belegt, doch für uns Eltern erschliesst sich die Wichtigkeit von Soft Skills eigentlich fast spontan – wo sie fehlen, wird es an vielen Stellen mühsam.

Wie steht es nun darum in der Mittelschule? Die E-Voting-Umfrage im Saal ergab, dass unsere Sprösslinge bereits deutlich andere, sprich: „softere“ Skills entwickelt haben, als noch wir Eltern in unserer Schulzeit (Folie 8).

Besonders wirksam für die Entwicklung der Soft Skills sind selbständige Arbeiten. Die Beziehung zu anderen Menschen (Lehrpersonen, Betreuer, Befragte, Experten, Unterstützer etc.), Selbstmanagement (Motivation, Planung, Wissensentwicklung etc.) und Sprachkompetenz (Sprachverständnis, Kommunikationsfähigkeit, schriftlicher Ausdruck) sind dafür nicht nur grundlegend, sondern diese Fähigkeiten werden durch die Arbeit auch stark weiterentwickelt – die Matur- oder Abschlussarbeit als gültiger Selbstzweck.

Übrigens: Als Geheimtipp für die Maturarbeit wurde von den Schülerinnen und Schülern die persönliche Arbeits- und Zeitplanung erkannt. Für uns Eltern ist das der Beweis, dass Soft Skills nicht kommunizierbar, sondern eben nur selbst erfahrbar sind…

Download des Flyers
PDF zur Präsentation

Winterthur, 18.03.2018